Veröffentlicht am
Wenn Handelsabkommen eine Halbwertszeit von Tagen haben

Wer traut sich heute noch zu, aus einer Einigung im Handelsstreit eine stabile Grundlage für die nächsten Jahre abzuleiten? Die Halbwertszeit solcher Einigungen wird inzwischen gefühlt in Tagen gemessen.
Früher konnte man sich auf ein Muster verlassen: Wenn die Weltwirtschaft wächst, wachsen auch die deutschen Exporte. Ein stabiler Zusammenhang seit dem Zweiten Weltkrieg. Heute nicht mehr.
Prof. Dr. Fabian Lindner hat das auf unserem Kundenevent klar hergeleitet. Deutschlands Wachstum war jahrzehntelang vom Export getragen. Die alte US-Hegemonie als stabiler Rahmen ist Geschichte. An ihre Stelle treten Multipolarität, Protektionismus und „Just in Case“ statt „Just in Time“.
Für Unternehmen heißt das: Eine Ankündigung aus Washington, ein Exportstopp für seltene Erden aus China oder eine Hitzewelle, die Europas Stromnetze belastet, und der Plan von gestern ist Makulatur.
Das Problem ist nicht die Unsicherheit selbst. Es ist, dass unsere Steuerungsprozesse weiterhin für Stabilität gebaut sind. Jahresbudgets, die in monatelangen Abstimmungen entstehen. Forecasts, die sich auf eine einzige Zahl festlegen.
Es geht nicht darum, die Illusion von Sicherheit zu erzeugen. Sondern Unsicherheit beherrschbar zu machen.