DATEV-Simulation: Szenarien auf Basis Ihrer DATEV-Daten rechnen (2026)

Eine DATEV-Simulation ist das Durchrechnen von Was-wäre-wenn-Fragen auf Basis der Buchhaltungsdaten, die im DATEV-Umfeld ohnehin entstehen. Technisch beginnt sie fast immer mit dem Export der Summen- und Saldenliste, aus dem sich eine integrierte Fortschreibung von GuV, Bilanz und Cashflow ableiten lässt. Auf dieses Grundmodell werden Treiber und Maßnahmen gelegt, etwa ein Umsatzrückgang von 10 Prozent oder ein Zinsanstieg um zwei Prozentpunkte, und deren Wirkung wird bis zur Liquidität verfolgt. Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Planungsrunde liegt dabei nicht im Rechnen, sondern in der Wiederholbarkeit: Steht das Modell einmal auf den DATEV-Daten, kostet die Änderung einer einzelnen Annahme Minuten statt Tage.

Für viele mittelständische Unternehmen ist das ein ungelöstes Thema. Die Buchhaltung läuft zuverlässig, oft über die Kanzlei, und liefert saubere Ist-Zahlen. Sobald aber eine wesentliche Annahme kippt, weil ein Großkunde wegbricht, die Materialpreise anziehen oder die Bank nach der Kapitaldienstfähigkeit fragt, gibt es keinen Ort, an dem sich diese Änderung konsistent durchrechnen lässt. Was dann entsteht, ist eine Excel-Datei mit einer Handvoll Annahmen: schnell gebaut, aber schwer zu verteidigen, wenn die Geschäftsführung nach der Herleitung fragt.

Warum das Rechnen der Engpass ist, nicht das Buchen

Die Datenlage im Mittelstand ist besser als ihr Ruf. In den meisten Unternehmen liegen monatlich kontenscharfe Ist-Zahlen vor, abgestimmt und verlässlich. Was fehlt, ist die Schicht darüber: ein Modell, das diese Ist-Zahlen in eine integrierte Vorschau überführt und in dem sich eine einzelne Annahme ändern lässt, ohne die Planung neu zu bauen.

Das ist keine Lücke, sondern eine Frage der Aufgabenteilung. DATEV liefert die verlässliche Datenbasis und mit DATEV Analyse und Planung auf Kanzleiseite eine darauf aufsetzende Analyse und Planung, ausdrücklich auch als Grundlage für das Bankgespräch. Das ist der Zweck dieser Werkzeuge, und sie erfüllen ihn. Die wiederholte Simulation ist eine andere Aufgabe mit einem anderen Takt: Sie setzt auf dieser Basis auf, statt sie zu ersetzen.

Der Bedarf entsteht dabei zwischen zwei Planungsterminen. Nicht beim jährlichen Planungslauf, sondern wenn im März eine Annahme kippt und die Geschäftsführung bis Freitag eine belastbare Zahl braucht.

Wie diese zusätzliche Ebene aussieht, zeigt DATEV im eigenen Haus. Für die Steuerung des Geschäftsmodellwechsels vom On-Premise-Produkt in die Cloud bildet das DATEV-Controlling mehrere Perspektiven auf denselben Datenwürfel ab und rechnet die Treiber hinter Kosten, Preisen und Umsätzen als Szenarien durch, nachzulesen in der DATEV Customer Success Story. Der Anlass ist ein anderer als im kleineren Mittelstand, das Prinzip ist dasselbe: Auf verlässlichen Ist-Zahlen entsteht eine Treiberlogik, auf der sich Varianten rechnen lassen.

Was im DATEV-Umfeld für Planung zur Verfügung steht

Baustein Wer arbeitet damit Wofür es gedacht ist Beitrag zum Simulationsaufbau
DATEV Analyse und Planung Kanzlei, für Mandanten Analyse und Planung im Beratungsprozess, inkl. Bilanz und Cashflow Liefert die abgestimmte Planungssicht, auf der Varianten aufsetzen
DATEV Unternehmen online Unternehmen selbst Zugriff auf Auswertungen, Export der Summen- und Saldenliste Die Ist-Datenbasis des Modells
Excel auf DATEV-Export Unternehmen selbst Erste eigene Rechnung, beliebig formbar Tragfähig für ein Szenario; bei mehreren driften Dateikopien auseinander
Simulations- und Planungsplattform Unternehmen selbst Wiederholtes Rechnen mit Treiberlogik Der Ort, an dem zusätzliche Varianten günstig werden

Die Reihenfolge ist kein Ranking. Ein Unternehmen mit 8 Mio. Euro Umsatz und ohne eigenes Controlling ist mit Kanzlei plus Planungsanwendung oft gut versorgt. Sobald mehrere Male im Jahr neue Annahmen entstehen, verschiebt sich der Bedarf von „einmal planen“ zu „wiederholt rechnen“.

Der Startpunkt jeder DATEV-Simulation: die Summen- und Saldenliste

Die Summen- und Saldenliste (SuSa) ist die praktische Datenbasis, weil sie kontenscharf ist und monatlich vorliegt. Zwei Wege führen dorthin:

Weg Vorgehen Format
Über DATEV Unternehmen online Bereich Auswertungen Rechnungswesen, Bericht Summen- und Saldenliste, Monat wählen, exportieren CSV
Über die Kanzlei Export aus DATEV Kanzlei-Rechnungswesen, monatlich bereitgestellt Excel oder CSV/TXT

Zwei Details entscheiden über die Verwendbarkeit: Der Export sollte den Kontenbereich 1 bis 99999 umfassen, und er sollte als CSV erfolgen, nicht als PDF. Für den Aufbau eines Modells empfiehlt sich beim ersten Export ein Rückgriff auf mindestens zwei abgeschlossene Geschäftsjahre, danach genügen monatliche Exporte des laufenden Jahres. Fehlt der Zugang zu den Auswertungen im Rechnungswesen, muss die Kanzlei diesen Bereich zunächst freischalten.

Wie funktioniert eine Simulation auf Basis von DATEV-Daten?

Eine belastbare Simulation entsteht in vier Schritten:

  1. Ist-Daten strukturieren. Die Konten der SuSa werden auf eine Planungsstruktur gemappt: Umsatzarten, Materialaufwand, Personalaufwand, sonstige betriebliche Aufwendungen, Abschreibungen, Zinsen. Dieses Mapping ist einmalige Arbeit und der eigentliche Kern des Modells.
  2. Treiberlogik hinterlegen. Positionen werden nicht fortgeschrieben, sondern berechnet: Umsatz aus Menge mal Preis, Materialaufwand aus Materialquote, Personalaufwand aus Kopfzahl mal Durchschnittskosten. Damit entsteht ein treiberbasiertes Modell statt einer Sammlung von Einzelannahmen.
  3. Integriert fortschreiben. GuV, Bilanz und Cashflow werden verknüpft: Umsatz wirkt über Zahlungsziele auf Forderungen, Investitionen über Abschreibungen auf die GuV und über Auszahlungen auf die Liquidität. Erst diese integrierte Finanzplanung macht aus einer Ergebnisrechnung eine Aussage über Zahlungsfähigkeit.
  4. Szenarien rechnen. Auf das Grundmodell werden Varianten gelegt. Entscheidend ist, dass eine geänderte Annahme automatisch auf alle betroffenen Positionen und Jahre wirkt, statt in mehreren Tabellenblättern nachgezogen zu werden.

Entscheidend ist die Verteilung des Aufwands: Die Schritte 1 bis 3 fallen einmal an, Schritt 4 fällt laufend an. Wer das Modell jedes Mal neu aufbaut, hat kein Simulationswerkzeug, sondern eine Planungsdatei. Kommt die Struktur samt integrierter Fortschreibung bereits vorbereitet mit, verschiebt sich die Arbeit vollständig auf Schritt 4, und die wiederkehrende Frage „Was passiert, wenn …“ kostet nur noch das Ändern eines Werts.

Der Unterschied zwischen Schritt 3 und einer reinen GuV-Rechnung ist übrigens der, der im Bankgespräch zählt. Ein Ergebnisrückgang ist unangenehm, eine gerissene Kapitaldienstfähigkeit ist ein anderes Gespräch.

Drei Simulationsfragen, die im Mittelstand wirklich gestellt werden

Frage Geänderter Treiber Wo die Wirkung sichtbar wird
Was passiert, wenn unser größter Kunde 20 Prozent weniger abnimmt? Absatzmenge im betroffenen Segment Deckungsbeitrag, Auslastung, Forderungen, Liquidität im Folgequartal
Was kostet uns ein Materialpreisanstieg von 8 Prozent? Materialquote oder Einkaufspreis je Einheit Rohertrag, EBIT, Vorratsbewertung
Halten wir die Kapitaldienstfähigkeit, wenn die Zinsen um zwei Punkte steigen? Zinssatz auf variable Finanzierungen Zinsaufwand, Cashflow, Kapitaldienstdeckung

Diese Fragen kommen selten zum Planungstermin, sondern zwischen zwei Terminen. Genau deshalb entscheidet die Geschwindigkeit: Eine Antwort, die drei Tage braucht, wird durch eine Schätzung ersetzt. Wie sich daraus eine vollständige Jahresprognose ableitet, beschreibt der Beitrag zum Erstellen einer Hochrechnung.

Warum Excel als Zwischenlösung an Grenzen stößt

Excel ist der naheliegende Ort für den ersten Versuch, und für ein einzelnes Szenario funktioniert das. Laut BARC Planning Survey, der weltweit größten Anwenderbefragung zur Unternehmensplanung, planen 90 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben mit Excel. Szenario-Simulationen nutzen 47 Prozent, treiberbasierte Ansätze rund 40 Prozent. Die Lücke zwischen „wir rechnen in Excel“ und „wir simulieren strukturiert“ ist also erheblich.

Die typischen Bruchstellen sind bekannt: Szenarien entstehen als Dateikopien und driften auseinander, die Bilanz wird weggelassen, weil ihre Verknüpfung aufwendig ist, und nach drei Monaten weiß niemand mehr, welche Annahme in welcher Zelle steckt. Wie weit man mit Excel trägt und wo die Grenze liegt, haben wir für Szenarioanalysen und den rollierenden Forecast im Detail beschrieben.

Was eine belastbare Simulation von einer Bauchzahl unterscheidet

Drei Kriterien, die sich unabhängig vom Werkzeug prüfen lassen:

Ausblick

Die Voraussetzungen sind breit vorhanden. DATEV zählte zum 30. Juni 2026 rund 1,01 Millionen Kunden und 40.176 Genossenschaftsmitglieder bei einem Umsatz von 881,0 Millionen Euro. Für einen großen Teil dieser Unternehmen liegen monatlich strukturierte, kontenscharfe Ist-Daten vor, ohne dass zusätzliche Erfassung nötig wäre. Die interessante Entwicklung liegt deshalb nicht in der Datenintegration, sondern in der Vorbereitung: je weiter Kontenstruktur, Treiberlogik und integrierte Fortschreibung standardisiert mitgeliefert werden, desto kleiner wird der Abstand zwischen einem DATEV-Export und der ersten belastbaren Simulation. Aus einem Planungsprojekt wird dann eine Frage von Stunden, und aus jeder weiteren Frage eine von Minuten. Voraussetzung bleibt eine explizite Treiberlogik, denn auch ein KI-Assistent kann nur beantworten, was ein Modell vorher rechnen kann.

Häufige Fragen zur DATEV-Simulation

Kann man in DATEV selbst Szenarien simulieren?

DATEV Analyse und Planung erstellt eine integrierte Planung aus GuV, Bilanz und Cashflow und ist auf den Beratungsprozess der Kanzlei ausgelegt. Für wiederholte Was-wäre-wenn-Rechnungen mit variierenden Treibern ergänzen Unternehmen diese Basis in der Praxis um Excel oder eine Simulationsplattform. Die beiden Ebenen konkurrieren nicht: Die eine liefert die abgestimmte Planungssicht, die andere die Varianten darauf.

Welche DATEV-Auswertung eignet sich als Datenbasis?

Die Summen- und Saldenliste, weil sie kontenscharf und monatlich verfügbar ist. Sie lässt sich in DATEV Unternehmen online unter den Auswertungen im Rechnungswesen als CSV exportieren oder von der Kanzlei aus DATEV Kanzlei-Rechnungswesen bereitstellen. Die BWA ist für Reporting nützlich, für den Modellaufbau aber zu stark aggregiert.

Wie aktuell müssen die DATEV-Daten für eine Simulation sein?

Für den Aufbau der Modellstruktur genügen abgeschlossene Geschäftsjahre. Für die laufende Hochrechnung ist der jeweils letzte abgeschlossene Monat der relevante Stand, weil die Ist-Werte der abgelaufenen Monate den fixen Teil der Jahresprognose bilden. Ein monatlicher Export reicht damit aus; wöchentliche Aktualität ist nur für die kurzfristige Liquiditätsbetrachtung nötig.

Wie lange dauert der Aufbau eines Simulationsmodells auf DATEV-Daten?

Der Aufwand liegt im Mapping der Konten auf eine Planungsstruktur, nicht in der Rechnung. Für ein Unternehmen mit einer überschaubaren Kontenstruktur ist das eine Aufgabe von Stunden bis wenigen Tagen. Danach kostet ein zusätzliches Szenario Minuten, weil es nur die Änderung eines Treiberwerts ist.

Brauche ich dafür eine eigene Controlling-Abteilung?

Nein, aber jemanden, der die Treiber des Geschäfts benennen kann. Die inhaltliche Frage, was den Umsatz und die wesentlichen Kostenblöcke tatsächlich verursacht, lässt sich nicht an ein Werkzeug delegieren. Der rechnerische Teil, also die integrierte Fortschreibung von GuV, Bilanz und Cashflow, lässt sich dagegen weitgehend automatisieren.